Philemon und Baucis

frei nach Ovid (Metamorphosen, Achtes Buch)


Die Erzählung taucht in der Literatur immer wieder auf, z.B. in LaFontaines, in Goethes“Faust II“, bei M.L.Kaschnitz „Griechische Mythen“, Tucholskys Gedicht „Stationen“, L.Ahlsen und P.Süskind.




Bei Ovid wird das Paar für seine Gastfreundschaft und Gottergebenheit belohnt. Ihre Hütte wird nach der, vom Olymp beschlossenen Sintflut, zum Tempel in dem sie dienen.

Ich stelle mir die beiden Alten weniger götterfürchtig vor. Gastfreundschaft ist für sie eine Selbstverständlichkeit. Sie sind entsetzt über den Plan der Götter, eine Sintflut zu schicken und dass sie verschont werden sollen, bedeutet für sie weder Trost noch Auszeichnung. Wozu leben, wenn alles um sie herum vernichtet ist?

Philemon und Baucis haben ein langes, gemeinsames Leben hinter sich. Sie haben viel geliebt, erlebt und durchlitten und betrachten das Treiben auf dem Olymp und auf Erden kritisch, mit einer gewissen Neugier und mit Humor.

Ihnen ist bewußt, dass sich die Götter auf dem Olymp hemmungslos amüsieren, tückisch und hinterhältig intrigieren. Sie bestimmen die Schicksale der Menschen, die sie aufstacheln, gegeneinander aufhetzen und nach Belieben belohnen und strafen.

Die Menschen – als treue Geschöpfe der Götter – treiben es genau so, sind allerdings im Unterschied zu den Göttern nicht unsterblich.

Um dem Treiben der Menschen ein Ende zu machen, planen die Götter eine Sintflut, die die frech gewordenen, göttervergessenen Geschöpfe vom Erdboden tilgen soll.

Die Götter bedenken das Für und Wider dieser radikalen Lösung und man beschließt, den Menschen noch eine Chance zu geben. Zwei der Götter sollen – als Fremde verkleidet – auf die Erde geschickt werden und prüfen, ob wenigstens das Gebot der Gastfreundschaft eingehalten wird. Das würde die Menschheit retten.

Die Wahl trifft Zeus und den Götterboten Hermes, und so machen sie sich gemeinsam auf den Weg.


Gerne würden die Götter am Leben und Treiben der Menschen teilnehmen, aber nirgendwo auf ihrer langen Reise werden sie eingeladen oder auch nur eingelassen.


Müde und erschöpft kommen sie zu der kleinen, bescheidenen Hütte von Philomen und Baucis, die sie mit großer Freundlichkeit aufnehmen. Sie bereiten ihnen ein Bad, und während sich Zeus und Hermes erfrischen, tragen sie alles zusammen was sie an Essbarem finden können.

Die Gäste greifen mächtig zu und lassen es sich wohl sein. Philemon und Baucis wundern sich, dass der Weinkrug nicht leer wird, obwohl die Fremden kräftig bechern!

Zeus und Hermes geben sich zu erkennen, loben die Gastfreundschaft der beiden Alten, machen es sich auf dem Alkoven bequem und schlafen tief und fest.

Philemon und Baucis sitzen auf der Bank vor dem Häuschen, ihr Bett ist ja belegt.


Am anderen Morgen begleiten sie die Götter noch ein Stück des Weges. Dabei weihen Zeus und Hermes sie in den göttlichen Plan ein.

Philemon und Baucis sind entsetzt, auch das Versprechen der Götter, sie zu verschonen, tröstet sie nicht. Doch Zeus und Hermes halten die Strafe für angemessen, bedanken sich für die Gastfreundschaft und gewähren ihnen noch einen Wunsch. Die beiden Alten bitten darum gemeinsam sterben zu dürfen.


Die Stadt steht bereits unter Wasser, die Götter entfernen sich Richtung Olymp. Die Sintflut löscht alles aus. Philemon und Baucis bleiben einsam und traurig zurück.

Ihr letzter Wunsch jedoch, geht in Erfüllung.


Joseph Haydn komponierte in Esterhasza Musik zu vielen Puppenspielen, darunter auch eine zu PHILEMON und BAUCIS.

Anklänge an diese Musik werden in Harald Schneiders Improvisationen immer wieder erkennbar sein

Die Wahl der Instrumente: Saxophon und Monochord sorgen jedoch für einen eigenen Charakter.

Die Musik begleitet, kommentiert und konterkariert die Schattenbilder. Dabei bleibt sie ein eigenständiger Teil der Aufführung.


Adelheid Kreisz